Freitag, 13. September 2013

Ellie Goulding: Burn



Es war vor gut einem Jahr, da erwischte mich Ellie Goulding mit ihrem Song Anything Could Happen völlig unvorbereitet. Diese sehnsuchtsvoll-romantische Hymne im eiskalten Synthie-Gewand entwickelte sich für mich zum Ohrwurm und ließ die Sängerin auf meine ganz persönliche Liste "Spannende Pop-Künstler_innen" wandern. Nicht, dass sie zuvor nicht schon sehr hübsche Veröffentlichungen vorgelegt hätte. Das Cover des Elton John-Klassikers Your Song zum Beispiel berührte mich zutiefst und ich war ein wenig erschrocken darüber, wie kitschig doch auch ich veranlagt bin. Starry Eyed war davor schon mindestens ein Aufhorchen wert für ungewöhnliche Effekte.

Kurz und gut: seit einem Jahr kam ich an Ellie Goulding auf keinen Fall mehr vorbei. Und das was ihr Album Halcyon bereit hielt war tatsächlich hörenswert und für eine Pop-Produktion der 2010er recht vielfältig. Allein die drei Singles Anything Could Happen, Lights und I Need Your Love zeigten ein hübsches Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten.

Und nun liegt zur Wiederveröffentlichung des Albums unter dem Titel Halcyon Days mit Burn neues Material vor. Mittlerweile ist Ellie Goulding ja tatsächlich zu so etwas wie einem Star geworden – zumindest die Anzahl der Remixe, Kollaborationen und Spaß-Coverversionen deutet auf einige Wichtigkeit hin. Und genau das ist auch ein wenig das Problem bei Burn. Es ist ein Titel, der hervorragend in das Repertoire von Ellie Goulding passt, mit dem stark am Euro-Dance orientierten Sound sogar eine weitere Facette abdeckt. Aber ganz ehrlich: Mir ist das schon beinahe zu viel an Staubsaugersound.



Sicher, Burn erzählt von diesen Momenten, in denen wir uns in der Lage fühlen alles zu erreichen, nicht zu stoppen zu sein – und die Welt, das Universum liegt vor uns und wartet nur darauf erobert zu werden. Ein Gefühl das sich auf guten Parties einstellt – vielleicht auch mit der gehörigen Portion entsprechender Drogen im Körper. Und so ist dieser hysterisch selbstverliebte Dancefloor-Sound eine passende akustische Entsprechung. Trotzdem: das Spannende an Ellie Gouldings Veröffentlichungen war doch meist ihr eigener, ein wenig abseitigere Zugriff auf Musik. Das war und ist gängiger Pop, auch tanzflächenkompatibel – aber eben immer auch ein Stück sperrig, ein winziges Momentchen lang ungewöhnlich. Bei Burn ist dieses Anders-Sein fast komplett ausgelöscht. Gerade noch ist es Ellie Gouldings prägnante Stimme, die daran erinnert, dass es sich hier nicht um eine Natalie Horler Version 8 handelt.

Knapp zwei Monate nach Veröffentlichung von Burn steht definitiv fest, dass dies Ellie Gouldings erfolgreichster Song ist. Die Mehrheit des musikkaufenden Publikums mag die gleichförmige Masseneuphorie. Ich wünsche mir, dass Ellie Goulding in Zukunft nicht zu oft in diesen Topf hineingreift.




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